Landtagswahl Saarland 2027: Was die Wiederholungswahl in Saarbrücken verrät | Valentin Blumert

Wählerwanderung, AfD und die Landtagswahl 2027 im Saarland

Die Wahl zur Regionalverbandsversammlung Saarbrücken musste wiederholt werden, nachdem die AfD 2024 geklagt hatte, weil sie nicht auf der Liste stand. Wahlforscher Valentin Blumert analysiert, woher die AfD-Stimmen kamen, warum ausgerechnet CDU-Anhänger zu Hause blieben und welche Hochburgen sich verschoben haben. Daraus leitet er ab, was die Ergebnisse für die Landtagswahl am 18. April 2027 bedeuten und wo SPD, AfD und CDU Chancen und Grenzen haben.

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Am 30. August wurde die Regionalverbandsversammlung in Saarbrücken neu gewählt. Hintergrund ist die Klage der AfD, die bei den Kommunalwahlen 2024 wegen des Streits um ihre gültige Liste nicht antreten konnte. Was verraten die Ergebnisse über Wählerbewegungen, Mobilisierung und die politische Stimmung im Saarland? Darüber spricht Gastgeber Hans-Jürgen (Unionsstiftung) mit Valentin Blumert.

Worum es im Gespräch geht:

Wahlbeteiligung: Sie lag 2024, als die Wahl gemeinsam mit der Europawahl und weiteren Kommunalwahlen stattfand, bei knapp 60 Prozent und sank nun auf etwas über 40 Prozent. Blumert ordnet ein, warum das bei einer singulären Wiederholungswahl dennoch vergleichsweise hoch ist.

Woher die AfD-Stimmen kamen: Nach Blumerts Aggregatdatenanalyse konnte die AfD vor allem frühere Wähler der Freien Wählern, die diesmal nicht antraten, sowie Wähler von SPD und CDU gewinnen. Nichtwähler mobilisierte sie in geringerem Ausmaß, als man vermuten könnte. Blumert betont, dass es keine Wahltagsbefragung gab und die Aussagen auf Aggregatdaten beruhen.

CDU und Nichtwähler: Besonders auffällig ist die geringe Bindungsquote der CDU von gut 31 Prozent, verglichen mit über 50 Prozent bei den Grünen und 48 Prozent bei der SPD. Rund 25.000 Stimmen, gut 18 Prozent der CDU-Wähler von 2024, wanderten ins Nichtwählerlager. Das bewertet Blumert als signifikanten, überproportionalen Effekt. Gespräch und Einordnung der Wahlkampfführung von CDU und SPD, unter anderem mit Blick auf die Analyse der Jusos.

Weitere Wählerwanderungen: Die Linke profitierte unter anderem von früheren Grünen-Wählern, die CDU verzeichnete leichte Zuflüsse von FDP und SPD.

Hochburgen im Regionalverband: Die SPD wurde in vier Kommunen stärkste Kraft, darunter Saarbrücken, die AfD ebenfalls in vier Kommunen, die CDU in Püttlingen und Riegelsberg. Die Grünen erreichten in der Stadt Saarbrücken mit 16,2 Prozent ihr bestes Ergebnis. Die CDU verlor besonders in Saarbrücken und Völklingen, was sich auf das Gesamtergebnis auswirkte.

Blick auf die Landtagswahl am 18. April 2027: Eine Modellrechnung sieht die SPD bei 29 Prozent, die AfD bei 24 Prozent und die CDU bei 21 Prozent. Die Grünen lägen bei 7,5 Prozent, die Linke bei 6,5 Prozent, die FDP unter fünf Prozent. Blumert hält eine erneute absolute Mehrheit für Ministerpräsidentin Anke Rehlinger nicht für völlig unrealistisch. Für die CDU mit Spitzenkandidat Stefan Toscani diskutiert er Mobilisierungspotenziale in katholisch geprägten, kleineren Kommunen, bei älteren Wählern und in den Altersgruppen von 35 bis 60 sowie mögliche Themenfelder wie Wirtschaft, Bezahlbarkeit, ÖPNV, Wissenschaft und Gesundheitspolitik.

Warum Valentin Blumert der richtige Gesprächspartner ist: Er hat Wahlkreisprognose.de gegründet, hat beide Wahlen miteinander verglichen und analysiert Wählerwanderungen auf Basis von Aggregatdaten. Er war bereits mehrfach bei der Unionsstiftung zu Gast.

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