Putin, NATO und die Eskalation: Warum 2027 und 2028 so kritisch werden | Roderich Kiesewetter

Hybrider Krieg, Trumps Kurswechsel und Deutschlands Verteidigung

Russland sieht sich im Krieg mit dem Westen – und Deutschland reagiert nach Ansicht von Roderich Kiesewetter viel zu zögerlich. Der CDU-Sicherheitspolitiker erklärt, warum er mit einer Eskalation innerhalb der nächsten ein, zwei Jahre rechnet, wie Russland die NATO gezielt austestet und weshalb Europa ohne die USA als verlässliche Schutzmacht neu denken muss.

Audio herunterladen: MP3 | AAC | OGG | OPUS

Kann sich Deutschland verteidigen, und ist es dazu überhaupt bereit? Während Verteidigungsminister Pistorius das Jahr 2029 als Zielmarke für Kriegstüchtigkeit nennt, warnt Roderich Kiesewetter: Putin wird nicht so lange warten. Vor allem die Jahre 2027 und 2028 hält er für extrem kritisch, weil Wahlen in den USA, Polen und Frankreich westliche Demokratien in Übergangsphasen besonders anfällig machen.

Im Gespräch ordnet Kiesewetter den Krieg gegen die Ukraine als langen Prozess ein, der aus seiner Sicht mit Putins Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 vorbereitet wurde und 2014 mit dem Angriff auf die Krim offen begann. Er beschreibt, wie China, Iran und Nordkorea Russland mit Technologie, Drohnen, Munition und Soldaten unterstützen, und warum China vom anhaltenden Krieg profitiert. Deutlich kritisiert er die Trump-Administration, die sich aus der regelbasierten internationalen Ordnung zurückziehe und Europa unter Druck setze.

Ein Schwerpunkt liegt auf den Szenarien, mit denen Russland die Geschlossenheit der NATO testen könnte – von der Suwałki-Lücke über die estnische Stadt Narva bis nach Moldau. Kiesewetter widerspricht dem Argument von AfD und BSW, eine Atommacht könne keinen Krieg verlieren, und rechnet vor, was die militärische Ukraine-Unterstützung Deutschland tatsächlich kostet. Außerdem geht es um die Sorgen der europäischen Nachbarn mit Blick auf eine deutsche Aufrüstung, den Krieg am Golf und seine wirtschaftlichen Folgen sowie die Frage, wie die Konflikte der Zukunft aussehen: Drohnen, weitreichende Präzisionswaffen, Abwehrschirme und Desinformation. Zum Schluss plädiert Kiesewetter für mehr sicherheitspolitische Bildung und einen Gesellschaftsdienst statt einer reinen Wehrpflicht.

Roderich Kiesewetter ist Sicherheitspolitiker der CDU und beschäftigt sich seit Jahren mit Russland, der NATO und der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands. Zuletzt reiste er nach Taiwan und bringt so auch die Perspektive des Indopazifiks in die Debatte ein.

Zum Weiterlesen: Roderich Kiesewetter: „Was wollen wir, was können wir?“ Wenn Ihnen diese Folge Orientierung gegeben hat, abonnieren Sie den Podcast, bewerten Sie ihn und empfehlen Sie ihn gern weiter.


Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.