Antisemitismus in Deutschland: Warum jüdisches Leben unsichtbar wird | Stefan Hänsel

Jüdisches Leben unter Druck: Antisemitismus, Angst und politische Versäumnisse

Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich das Leben vieler Jüdinnen und Juden in Deutschland spürbar verändert. Der frühere Hamburger Antisemitismusbeauftragte Stefan Hänsel spricht über zunehmende Unsicherheit, antisemitische Vorfälle, politische Versäumnisse und die Frage, warum jüdisches Leben immer stärker aus der Öffentlichkeit verschwindet. Außerdem erklärt er, welche Maßnahmen aus seiner Sicht notwendig wären, damit jüdisches Leben wieder sicherer und sichtbarer werden kann.

Audio herunterladen: MP3 | AAC | OGG | OPUS

Wie sicher können Jüdinnen und Juden heute in Deutschland leben? Stefan Hänsel, bis Dezember 2025 Antisemitismusbeauftragter der Hansestadt Hamburg, beschreibt eine Entwicklung, die weit über einzelne Straftaten hinausgeht: Jüdische Symbole verschwinden aus dem öffentlichen Raum, Menschen ziehen sich ins Private zurück und viele vermeiden Situationen, in denen ihre jüdische Identität sichtbar werden könnte.

Im Gespräch geht es um die Folgen des 7. Oktober 2023 für jüdisches Leben in Deutschland und um die Frage, warum bestehende Strategien gegen Antisemitismus aus Sicht Hänsels häufig nicht konsequent umgesetzt werden. Er berichtet von Erfahrungen aus Verwaltung, Politik, Hochschulen und Bildungsarbeit und schildert, wo aus seiner Sicht zwischen politischen Beschlüssen und ihrer praktischen Umsetzung Lücken bestehen.

Ein Schwerpunkt liegt auf einer in Hamburg durchgeführten Dunkelfeldstudie zu antisemitischen Erfahrungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Hänsel erläutert, warum viele Vorfälle nie angezeigt werden, wie auch nicht strafbare Erfahrungen das Sicherheitsgefühl verändern können und weshalb fehlende Daten Prävention zusätzlich erschweren.

Das Gespräch thematisiert außerdem unterschiedliche Erscheinungsformen von Antisemitismus – aus rechtsextremen, linken und muslimisch geprägten Milieus – sowie die Schwierigkeit, Tatmotive eindeutig zu erfassen und politisch offen zu benennen. Hänsel spricht darüber, welche Rolle Schulen, Jugendarbeit und persönliche Begegnungen spielen können und warum er sich unter anderem einen stärkeren Austausch zwischen Jugendlichen in Hamburg und Israel gewünscht hätte.

Auch sein Rücktritt als Hamburger Antisemitismusbeauftragter ist Thema. Hänsel berichtet von Hass, Drohungen, persönlichen Angriffen und dem Gefühl, bei entscheidenden strukturellen Veränderungen nicht weiterzukommen. Besonders eindrücklich schildert er einen antisemitischen Angriff, den er gemeinsam mit seiner Tochter erlebt hat.

Trotz der angespannten Situation sieht Hänsel auch Zeichen der Hoffnung: Menschen, die Solidarität zeigen, stärkeren Zusammenhalt innerhalb jüdischer Gemeinden und Initiativen, die Kindern und Jugendlichen Räume für eine positive jüdische Identität ermöglichen.

Eine Folge über Antisemitismus in Deutschland, politische Verantwortung und die zentrale Frage, was geschehen muss, damit jüdisches Leben wieder selbstverständlich sichtbar und sicher sein kann.

Wenn euch die Folge gefallen hat, abonniert „Politik auf den Punkt gebracht“ und teilt das Gespräch mit Menschen, für die diese Debatte ebenfalls wichtig sein könnte.


Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.